Aller guten Dinge
sind drei!

Nachdem es zuletzt um die Erntezeit bzw. erntefrische Verarbeitung von Tomaten und Basilikum ging, widme ich mich heute dem Produkt aus dem „Pflückglück“ der Olive, dem flüssigen Goldes Italiens vulgo Olivenöl.

01.09.2021

Es darf also wieder geerntet werden. Dieses Mal richten wir unseren Blick baumwärts, wo in den kommenden Wochen der optimale Reifegrad der Oliven vieler Beobachtungen unterzogen wird. Die enorme Nord-Süd-Streckung Italiens führt zudem zu vielen Wochen reger Erntetätigkeit. Man könnte von September bis November als Erntehelfer einen wahren „Giro d`Italia“ hinlegen - der Erntedank ist einem sicher! Für besonders hochwertige Olivenöle ist ein Erntezeitpunkt in der frühen Reife von Nöten. Die Erträge sind bei dieser Methode zwar geringer, der Fruchtgenuss dafür umso höher. Verständlich, dass Olivenölfans sich nach diesen Ölen sehnen. Wenig später kommt der Großteil der Oliven vom Baum, eine „Spätlese“ wie beim Wein geht hingegen eher nach hinten los! Ist die Olive im gewünschten Reifestadium vom Baum gepflückt, sollte die wertvolle Erntefracht so schnell wie möglich zu Olivenmühle, dem Frantoio gebracht werden, denn schon wenige Stunden nach der Ernte setzt in den Oliven der Zersetzungsprozess ein. Durch zu lange Lagerung oder gar Transport in andere Regionen oder Länder (!) geht so ziemlich alles verloren, was uns ein gesundes Lebensmittel verspricht.

Wer nun Bilder von romantisch aussehenden, von Eseln in Bewegung gesetzten Mühlsteinen bzw. Ölpressen vor seinem geistigen Auge vernimmt, dem sei das Motiv für ein Foto empfohlen, nicht aber für die Weiterverarbeitung zum Olivenöl. Seit geraumer Zeit hat High Tech Eingang in die Stuben der Olivenölmacher gefunden und das ist gut so. Unter kontrollierten Bedingungen wir aus den rasch vom Baum zur Mühle gebrachten Oliven bei maximal 27 C° das Extra Vergine gepresst bzw. extrahiert. 
 

Topproduzenten versuchen unter 25 C° zu bleiben, um unerwünschten qualitativen Veränderungen vorzubeugen. Strenge Analysen helfen dabei, Defekte sofort zu erkennen. Durch diese (technischen) Entwicklungen sollte es immer nur eine Pressung geben. Angaben wie „erste Pressung“ auf dem Etikett sind daher zumindest als seltsam zu betrachten.  Schon bald werden wir also wieder wunderbare „Rachenkratzer“ im Kostglas oder am Kostlöffel haben. Wo hat man schon das Vergnügen, sich das Leben durch ein wenig Bitterkeit und Schärfe versüßen zu lassen? Damit bringt das Olivenöl schließlich seinen hohen Gehalt an natürlichen Oliven-Antioxidantien zum Ausdruck. Ein Ausdruck der Eindruck machen kann! Ein hoch qualitatives Olivenöl ist in vielerlei Hinsicht ein Naturgeschenk. Regelmäßiger Genuss verspricht eine Reihe von positiven Nebeneffekten. Der hohe Gehalt an Vitamin E und die schon angesprochenen Antioxidantien sorgen gemeinsam mit einfach ungesättigter Fettsäure für eine verzögerte Alterung menschlicher Zellen – ich nenne es einmal den „Jungbrunneneffekt“. Dem nicht genug. Bisherige Erkenntnisse über den Zusammenhang von Nahrungsaufnahme und Krankheiten des Gastrointestinaltraktes sprechen dafür, das sich ungesättigte Fettsäuren bei Magen- und Darmgeschwüren sowie Gallensteinen positiv bemerkbar machen. Gleiches gilt für koronare Herzerkrankungen. Und noch was! Sollten Sie sich - wider besserem Wissens - einmal hemmungslos der Völlerei hingegeben haben, so sorgt ein Löffel gutes Extra Vergine auf nüchternen Magen für Wohlbefinden und geschmeidiger Performance, Sie wissen schon wo ... In diesem Sinne – auf zur Ernte! Quellenverweise: Text & Fotos : Martin Martschnig / italissimo.at

 

Teilen auf: