Emilia - Kirschen, offene Türen
und ein Aperitivohinweis

Auch wenn dieser Winter ein hartnäckiger Kumpane war, es ist an der Zeit ihn aus unserem nach Sonne lechzenden Wesen zu verbannen und die Türen für den Frühling zu öffnen. 

01.04.2020

Auch wenn dieser Winter ein hartnäckiger Kumpane war, es ist an der Zeit ihn aus unserem nach Sonne lechzenden Wesen zu verbannen und die Türen für den Frühling zu öffnen. Womit wir auch schon mitten im Thema wären, denn in der Emilia öffnen sich in den kommenden Wochen gleich mehrere davon. Die Rede ist von Cantine Aperte, den Caseifici Aperti und der sich zum Himmelstor öffnenden Kirschblüte.  Freuen sich die Cantine Aperte (Winzer öffnen für ein Wochenende Ihre Keller und bitten zum Tanz mit dem Kostglas, heuer übrigens am 26./27. Mai) großer Beliebtheit im ganzen Land, so bietet die Emilia die Besonderheit der Caseifici Aperti (28./29. April). Es geht dabei um nichts weniger als das Eintauchen in die Welt des Parmesans, organisiert vom Consorzio Parmigiano Reggiano. Produzenten öffnen auch in diesem Fall ihre Tore und lassen verkosten was jahrelang zu einem der wichtigsten Lebensmittel der Region heranreift. Der Parmesan gehört in diesem Bereich der Poebene zum kulinarischen Alltag in jeder Lebenslage.

Die Emilia ist überhaupt so ein Reifezentrum. Neben dem Parmesan denke man an den Parmaschinken, den Culatello di Zibello, die reifliche Überlegung sein Geld in einen Ferrari zu stecken, die Reife des Motorradfahrers eine Ducati zu besitzen und nicht zu vergessen der Aceto Balsamico, der gar jahrzehntelange Genusswartezeiten mit sich bringt! Für einen beliebten Aperitivo-Happen im Lambruscogebiet (ja, der kommt auch von hier und wird hauptsächlich trocken, nicht süß ausgebaut!) kann man Letzteren getrost als Bindeglied dieser Spezialitäten betrachten. Wann immer der Ruf nach Fingerfood ertönt, bereite ich folgende, mir in Castelvetro bei Modena beigebrachte, Gaumenverführung vor.

Man(n) lege drei Blatt fein geschnittenen Parmaschinken leicht überlappend nebeneinander, bepinsle diesen mit Aceto Balsamico di Modena I.G.P. und hoble Parmigiano Reggiano fein, aber keinesfalles dem Spargedanken verfallend, darüber. Darauf die nächste Schicht Parmaschinken, Aceto Balsamico I.G.P. usw.  – und zwar drei Mal. Diesen Dreischichter rollt man mit der Erfahrung des Palatschinkenwickelns leicht pressend zu einer schmuck&schmackhaften Rolle, verpackt sie sogleich in Frischhaltefolie. Zur Sicherheit gleich mehrere Exemplare machen und diese aneinandergedrückt für mindestens 3 Stunden im Kühlschrank in Warteposition geben. Gleichzeitig Lambrusco, Prosecco oder Franciacorta einkühlen! Sobald die Gäste, die Liebste oder der Liebsten Gäste eintreffen, die Rollen in ca. 2 cm dicke Scheiben schneiden, Zahnstocher rein, Grissini anbei und Spumanteflasche auf! Fehlt nur noch der Hinweis auf die Kirschbäume, deren Blüte derzeit das Hügelland der Emilia bei Vignola verzaubert und bald schon die angeblich schönsten Kirschen  der Welt tragen werden.  Zu dieser gesellt sich ganz wunderbar eine Kugel Vanille- oder Haselnusseis mit ein paar Tropfen Aceto Balsamico I.G.P. als Topping ...

Quellenverweis:
Text -  Martin Martschnig/italissimo.at
Fotos  - Martin Martschnig/Consorzio Ciliegia Vignola

 

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