Blogbeitrag
März 2021

Eines ist klar. in einem von der katholischen Kirche geprägten Land wie Italien (inklusive Kleinstaat mit Hauptwohnsitz des Kirchenoberhaupts) muss das Osterfest einen ganz besonderen Stellenwert haben. Neben den zahlreichen Prozessionen und Live-Segnungen aus dem Vatikan spielen traditionelle Gerichte eine seelenheilbringende Rolle. Wie könnte es bei den Feinschmeckern südlich der Alpen anders sein.

03.03.2021

Eines ist klar. in einem von der katholischen Kirche geprägten Land wie Italien (inklusive Kleinstaat mit Hauptwohnsitz des Kirchenoberhaupts) muss das Osterfest einen ganz besonderen Stellenwert haben. Neben den zahlreichen Prozessionen und Live-Segnungen aus dem Vatikan spielen traditionelle Gerichte eine seelenheilbringende Rolle. Wie könnte es bei den Feinschmeckern südlich der Alpen anders sein.

Die Colomba, jene Hefeteig gewordene Friedenstaube aus dem Verwandtschaftsbereich des weihnachtlichen Panettone, war schon Thema an dieser Stelle. Zudem lassen Chocolatiers alljährlich die Tradition der gefüllten Schokoladeostereier hochleben. Dünnwandigst aufgezogene Kunstwerke mit bis zu einem Meter Durchmesser (!) werden mit Überraschungen aller Art gefüllt und wie wahre Kunstwerke verpackt.

Ich entführe Sie heute aber in die mittelitalienische Region der Marche, wo die Crescia di Pasqua zum Osterfrühstück bzw. den beliebten Osterpicknick gehört. Man könnte sie zu der Familie der Osterpinzen zählen, wobei ein paar für uns ungewohnte Zutaten einfließen. Das Rezept stammt von Michela Carbonari und Giulia Tonti, zwei Genussvermittlern der Region.

Stellen wir uns also vor, wir befinden uns inmitten der Karwoche in einer Küche in der Gegend zwischen Pesaro und Urbino. Michela und Giulia haben die Zutaten bereits vorbereitet, am Tisch vor uns befinden sich:
500 g Mehl
1 Pkg. Trockenhefe oder frische Bierhefe
2 TL Zucker
200 ml lauwarme Milch
80 ml Olio di oliva extravergine
2 Eier
10 g Salz
150 g Grana Padana oder Parmesan (aufgerieben)
80 g Pecorino (aufgerieben)
 

Wir benötigen nun zwei Rührschüsseln. In einer werden Mehl, Hefe und Zucker vermengt. In der anderen versprudeln wir mit einer Gabel lauwarme Milch, Eier, Salz und Olivenöl und fügen nach und nach die beiden geriebenen Käse bei. Ist eine glatt verrührte Konsistenz erreicht, wird die Mehl-Hefe-Zucker-Mischung eingearbeitet und mit stets bemehlter Hand ein paar Minuten lang weitergeknetet. Wie einem normalen Germteig ca. 2 Stunden gehen lassen, auf das er sein Volumen verdopple. In einem Kochtopf bzw. einer runden Backform noch ein wenig ruhen lassen, danach geht es für 35 Minuten bei 170 Grad in den Ofen. Die Backform sollte nicht zu breit sein (max. 20 cm Durchmesser) damit die traditionelle Form eines Schwammerls entstehen kann.

Serviert wird diese Köstlichkeit mit Salami, Prosciutto, Oliven, in Olivenöl eingelegtem Gemüse, einer Eierspeise oder hart gekochten Eiern. Der beginnende Frühling lockt viele Familien mit dem Picknickkorb in die Hügellandschaft der Marken, wo diese Art der Osterjause – wie könnte es in einer Weinregion anders sein – mit einer Riserva di Verdicchio, einem Vernaccia DOCG oder einem Morro d`Alba genossen wird.

In der Macerata reicht man gerne eine Frittata con la mentuccia (am leichtesten als Omelett mit Minze zu übersetzen), in Urbino wiederum wird der erste Wildspargel der Saison in die Eimasse eingearbeitet. Geht es zu Tisch, darf das Osterlamm nicht fehlen und bei den Nachspeisen wird sowieso nie gespart.

Vor der Hingabe an die Köstlichkeiten der Region geht es zu einem der vielen Karfreitagsumzüge, die allesamt eine jahrhundertelange Tradition aufweisen und ganze Orte für Tage und Wochen mit der Vorbereitung auf Trab halten. Beispielhaft sei die Processione del Cristo Morto in Cagli erwähnt, bei der um die 500 Personen involviert sind! Diese von der Brüderschaft San Giuseppe initiierte Prozession lässt sich auf das 16. Jahrhundert zurückdatieren. Eine sehr stimmig gemachte Fotoreportage finden Sie hier: Venerdi Santo, Cagli – Reportage Foto


In diesem Sinne – BUONA PASQUA!

Quellenverweise: 
Text: Martin Martschnig / italissimo.at
Fotos: Michela Carbonari / Giulia Tonti

Teilen auf: