Blogbeitrag
April 2021

Das mit dieser Pandemie zieht sich wie ein Strudelteig, der in der italienischen Küche lediglich eine Nebenrolle spielt. Können wir in Sachen Kulinarik „a casa“ locker am Ball bleiben, sieht es bei Reisen in unser Sehnsuchtsland Italien leider nach wie vor schlecht aus.

06.04.2021

Gott sei Dank sorgt die Geschichte unseres Landes österreichweit für unzählige Erinnerungen und Anknüpfungspunkte an Italien, woraus man sich eine kleine „Italienische Reise“ innerhalb unserer Grenzen zusammenstellen könnte. „Schuld“ daran sind zahlreiche Architekten, Baumeister, Künstler und Genusshandwerker, die sich in Zeiten der Monarchie mit ihrem schöpferischen Talent und Können vielerorts verewigten.

Einen ersten Hinweis geben italienische Straßennamen, die man in vielen Städten findet, optisch präsenter freilich die Architektur. Was wäre der Jedermann in Salzburg ohne die Kulisse des von Vincenzo Scamozzi geplanten Salzburger Doms oder das barocke Österreich ohne die Entwürfe des in Genua geborenen Architekten Johann Lucas von Hildebrandt? Er entwarf unter anderem den Schlosspark Obersiebenbrunn, Prinz Eugens Stadtpalais in der Himmelpfortgasse, das Belvedere (beide in Wien) oder die Gartenanlage des Schloss Hof? 

Weiter geht die Reise mit dem Zug von Wien Richtung Süden. Der in Venedig geborene Bauleiter Carlo Ghega, zeichnet federführend für den Bau der Semmeringbahn (damals Teil der "Südlichen Staatseisenbahn") verantwortlich und schaffte es sogar auf die 20-Schilling-Note!

Reisen machen hungrig und so wollen wir – wie könnte es an dieser Stelle auch anders sein – einen Blick auf das genüssliche Erbe Italiens in Österreich werfen. Der Zuzug von kulinarisch versierten Fachkräften aus dem heutigen Veneto und Friaul-Julisch-Venetien führte zu einer Öffnung hin zu damals exotischen anmutenden Speisen und Getränken. Man denke an die Maronibrater, die in den 1780er Jahren nach Wien kamen und bereits Anfang der 1870er Jahre an die 500 Stände in der ganzen Stadt betrieben - was wiederum zu anlassbezogener Steuergesetzgebung führte, die noch heute in Kraft ist!
 


Die Pizza ließ ein wenig länger auf sich warten, wurde in den 1930er Jahren in Salzburg erstmals aufgetischt. Auf eine viel längere Geschichte kann das Gelato verweisen. Ein erster Eisverkäufer ist im Wiener Stadtarchiv in Akten aus dem 16. Jahrhundert zu finden! Dann hätten wir noch den Espresso in den italienischen Cafes, die lange spöttisch als "Erholungsstätten der Pressierten" abgetan wurden, der flotte Genuss war den Wienern dann doch suspekt.

So mancher Traditionsbetrieb existiert noch heute, wozu wir beispielhaft noch einmal nach Salzburg zurückkehren, auf einen Cappuccino ins Cafè Tomaselli (gegründet 1834). Der Vater des Gründers Carl Tomaselli war der in Rovereto geborene Giuseppe Tomaselli, der 1781 als Hoftenor der Salzburger Hofkapelle verpflichtet wurde. Der talentierte Sänger und Gesangslehrer ehelichte die Kaffeehausbesitzerin Antonia Honikel. Einer Ihrer Söhne (Carl) lernte in Wien das Zuckerbäckerhandwerk und eröffnete nach der Rückkehr an die Salzach das legendäre Kaffeehaus.

Wer nach geeigneter (Reise)Lektüre zu italienischen Spuren in Österreich sucht, dem sei das im Amalthea Verlag 2019 erschienene „La bella Austria

In diesem Sinne – Durchhalten und gesund bleiben!

Quellenverweise: 
Text: Martin Martschnig / italissimo.at
Fotos: Christian Hlavac  
 

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